Vom Baden und Beten

Heute kam es mir so vor, als ob ich auf der Stelle treten wuerde. Ich weiss nicht, ob ich die einzige Mama bin, der es so geht (bitte tut wenigstens so, als ob ich nicht alleine bin, okay???).

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Jedenfalls ist es mir so ergangen: Wir waren am Strand, was ja eigentlich eine tolle Sache ist. Nachdem es zuerst noch ziemlich kuehl und windig war und wir uns alle in unseren Strandkorb eingekuschelt haben, kam dann doch noch die Sonne zum Vorschein und hat Leben in meine drei Kinder gezaubert. Sie haben gesandelt (oder gebuddelt- seit ein paar Tagen lebe ich in Nordeutschland und versuche, mich hier in den Sprachgebrauch einzufindenJ), gebadet, geplantscht und eben alle die Sachen gemacht, die Kinder machen, wenn sie Sand und Wasser um sich haben. Dabei waren sie laut. Um uns herum waren hauptsaechlich Damen und Herren mittleren Alters sowie einige Senioren, dazu auch ein paar Familien mit Kindern, die aber alle (und das stimmt jetzt wirklich) sehr wohlerzogen, gesittet und leise vor sich hin gespielt haben. Hmmmmm… Ich haette viel darum gegeben, die Lautstaerke von meinen Kindern herunterzuregeln. Mir selbst zuliebe, aber auch um der anderen Leute willen, die –so kam es mir jedenfalls vor- immer wieder zu uns herueber geschaut haben (vielleicht ja nur, weil sie selten so entzueckende Kinder gesehen haben…?!). Leider war es mir aber heute nicht moeglich, den Lautstaerke- Regler zu finden. Viele Ermahnungen meinerseits und auch diverse angedrohte und tatsaechlich durchgefuehrte Konsequenzen wollten einfach nichts fruchten. Dazu kam noch, dass Eimer und Sand durch die Luft flogen- wahrscheinlich waren wir kurz davor, den Strand fuer uns alleine zu haben (das waere dann auch fuer mich wieder okay gewesen).

Klar, Kinder sollen spielen. Kinder duerfen auch mal laut sein. Und vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich darueber philosophiert, dass ich aus meinen Kindern kein Projekt machen moechte, bei dem dann am Ende perfekt funktionierende Menschen herauskommen. Trotzdem: Eine meiner Schwaechen ist die, dass ich mir viel zu haeufig die Frage stelle: „Was denken jetzt nur die anderen?“ Diese Frage habe ich mir heute oft gestellt. Was denken jetzt nur die anderen von mir, wenn sie meine lauten, aufgedrehten Kinder sehen? Was denken denn jetzt nur die anderen, wenn sie merken, dass ich staendig die gleichen Sachen sagen muss? Was denken denn jetzt die Leute um mich herum, die so artige und gesittete Kinder haben? Wie stehe ich jetzt bloss da? Bestimmt denken die, wir sind voll assi und Erziehung interessiert uns null. Aber zu diesen Gedanken –von denen ich mich hoffentlich im Laufe meines Lebens immer weiter werde frei machen koennen- kam mein eigener Frust ueber meine scheinbar bescheidenen Erziehungserfolge. Die anderen Leute mal beiseite gelassen- ich haette es ja auch selbst gerne gehabt, dass meine Kinder mehr darauf achten, wo unser Handtuch aufhoert und das der Nachbarn anfaengt, wo der Sand hinrieselt, den sie schwungvoll aus ihren Kleidern schuetteln und wie sie sich beschaeftigen, ohne dass alle anderen Menschen im Ostsee-Bad mitbekommen, welche von unseren Schaufeln gerade kaputt gegangen ist. Ich dachte eigentlich, ich haette einen besseren Job gemacht, um ihnen gewisse Umgangsformen und ein Mindestmass an Ruecksichtnahme beizubringen… Wahrscheinlich merkt Ihr, dass heute nicht unser bester Hochglanz-Familientag war (und das trotz der guten Voraussetzungen- so was Bloedes aber auch!).

Dann kam der Abend und hat mich versoehnt: Mein Sohn hat sich in unserem neuen Haus, das noch fast leer ist, beim Einschlafen nicht wohl gefuehlt. Etwas kleinlaut kam er angeschlichen und wollte eine Frage stellen. Fast haetten wir ihn wieder ins Bett geschickt, aber etwas in mir drin hat mir gesagt, dass dieser Augenblick jetzt wichtig ist. Also ist er mit der Sprache herausgerueckt: „Mama, ich fuerchte mich in meinem Zimmer. Kannst Du mit mir das Gebet sagen von dem Hirten?“. Wenig spaeter betet Dennis mit ihm Psalm 23 (ich kann ihn peinlicherweise nicht vollstaendig auswendig), weil ich meinen Kindern den Anfang davon beigebracht und ihnen erklaert habe, dass sie diese Verse oft wiederholen sollen. Ich bin beruehrt davon, dass Jonathan im Gebet Trost sucht.

Spaeter ruft mich unsere Juengste nochmal ans Bett. Nicht gerade meine Lieblingsbeschaeftigung, wenn ich doch eigentlich schon Feierabend habe. Aber statt dass ich ihr noch ein Gutenacht-Lied vorsingen soll, singt sie mir eines: „Mama, Du bist die Beste, Mama, Du bist die Beste, Mama Du bist die beste Mama.“

Wir sehen oft nur auf das, was wir scheinbar nicht richtig gemacht haben. Wie schoen ist es, wenn wir ab und zu aus dem Mund unserer Kinder erfahren, dass sie das anders sehen. Solche Momente sind kostbar und tun gut. Und auf einmal ist es nicht mehr wichtig, was die Kurgaeste am Strand ueber uns denken. Es ist wichtig, dass unsere Herzen zueinander finden. Auch nach einem anstrengenden Tag. Und auch, wenn noch ein bisschen etwas zu tun bleibt in Sachen Erziehung…

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