Tage mit Goldrand

„Tage mit Goldrand“ heißt ein Film von Martin Buchholz. Ohne ihn je gesehen zu haben, ist mir sein Titel vom ersten Hören an im Kopf geblieben und glänzt hier und da in meiner Erinnerung.

Tage mit Goldrand

Er berührt mich irgendwie. Ich denke dabei an eine dieser zarten alten Kaffeeservice-Tässchen aus Porzellan mit einem hauchdünnen goldenen Rand. Solche, wie ich sie von meiner geliebten Uroma geerbt habe und die mich aus meinem Küchenregal herauslugend stets an sie erinnern. Kein Wunder, dass dieses, für mich geflügelte Wort mir auf Anhieb sympathisch war.
Zudem gefällt mir auch der Gedanke daran vorzüglich, wie sich meine Tagestasse jeden Tag neu füllt und egal bis wohin, ihr Goldrand sichtbar bleibt, sie immerzu krönt. Ich kann mir vorstellen, dass es solche oder ähnliche Gedanken waren, die den Filmemacher bewegt haben.

In einem meiner Versuche, hingebungsvoller zu leben, habe ich mir ein Blatt Papier, betitelt mit besagten drei Worten an unseren Kühlschrank gehängt. Seither notiere ich darunter immer mal wieder kostbare Ereignisse oder Momente, um sie mir bewusster zu machen und mich leichter daran zu erinnern. Der letzte Eintrag ist nun allerdings schon ein Weilchen her… bis heute.

Heute hat dieser überraschungsliebende Gott, mich mal wieder eindrucksvoll an meine Kühlschranknotiz erinnert. Heute ist Sonntag. Der Tag des Herrn und Tag der Gottesdienste. Meine Tochter hat Fieber. Nichts Dramatisches, aber sie ist sehr müde und vielleicht ansteckend, also gehen wir beide nicht mit in den Gottesdienst. Wir gehen ein bisschen an die frische Luft, auf den Spielplatz in den Park. Ich merke bald, dass sie gar keinen Elan zum Spielen hat und so stranden wir schließlich am Fuße der roten Minirutsche. Meine kleine, heute so stille Tochter hat sich eng an mich gekuschelt, und ich mich an sie. Ich wiege sie leise hin und her, während sie einfach nur ganz still ist, mal blinzelnd, mal mit geschlossenen Augen. Ich spüre schon, dass das hier einer dieser kostbaren Momente im Leben ist und schließe die Augen. So mache ich es meistens, wenn ich etwas genießen möchte. Wie schön fühlt sich dieser kleine warme Körper und diese vertrauensvolle Seele in meinen Armen an. Wie gut sie riecht, meine Tochter. Und wie seidig weich ihre Haare sind. Wie wärmend und hell und frohmachend die Sonnenstrahlen auf unseren Gesichtern und wie frisch der kühle Wind, der alle entfernten Geräusche verschluckt und uns auf seine Art liebevoll einhüllt. Wir sitzen da, verschlungen und still und angerührt eine kleine Ewigkeit. Dieser Moment gehört nur uns. Seine Schönheit und Zerbrechlichkeit rührt mein Innerstes an. Danke, Vater, für dieses Geschenk und dafür, dass du mir beim Auspacken geholfen hast.

Tage mit Goldrand
Ich glaube inzwischen fest, dass Gott wie bei der Porzellantasse jeden unserer Tage mit einem Goldrand versieht. Manchmal glänzt er frisch und neu, manchmal ist er schon sehr abgenutzt und kaum noch sichtbar. Mit Patina, sozusagen. Aber ich denke, angemalt ist er immerzu und immerzu unsagbar schön.

Wir müssen vor allem hinsehen.  Gott hat uns mit Empfindsamkeit ausgestattet, die wir manchmal erst wieder freischaufeln müssen. Vielleicht auch trainieren können. Und jener der uns beschenkt, möchte uns auch helfen zu bemerken, zu sehen, auszukosten was er da in Liebe für uns verborgen hat.

 

Weil es uns erfüllt. Uns glücklich macht. Tief dankbar. Ehrfürchtig. Still.
Weil ER uns liebt.
Das war heute mein Gottesdienst. Ein Tag, bei dem der Goldrand bis zum Boden reicht.
Danke, lieber Jesus, für diese Erinnerung.

 

Tage mit Goldrand

 

Sarah WellerMein Name ist Sarah.
Ich habe Lehramt für Gymnasien studiert, bin seit fast vier Jahren mal mehr, mal weniger leidenschaftlich und doch immer überzeugt davon, das Richtige zu tun, mit meinen Kindern (3 1/2 und 1 1/2) zu Hause.
Seit geraumer Zeit entdecke ich die Liebe zum Lernen und Lehren (wieder) und ich liebe es, in den verschiedensten Bereichen kreativ zu sein.
Ein großes Lebensthema für mich ist es, wie ich Gott, Familie und andere Beziehungen, auch noch den Haushalt, Engagement und unbedingt auch Zeit für mich selbst neben-, nach- oder auch übereinander nicht nur organisieren, sondern auch bewusst leben und genießen kann. 

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