Silvesterpsychohygiene

Zwischen Raclette-Wampe, Feuerzangenbowle und Böller-Tinitus gönne ich mir eine Denkpause. Neues Jahr. Neues Glück? Ich weiß nicht was du dir erhoffst. Doch Silvester ist auf jeden Fall ein guter Zwischenstopp auf der Lebensreise, oder? Silvester, der letzte Tag des Jahres. Auf Silvester folgt der Neujahrstag.

Der Kalender wird ausgetauscht. Und mein Leben?

Bleibt gleich? Oder möchte ich da auch das ein oder andere austauschen? Einmal im Jahr trau ich mich mal so richtig hinzugucken. Ich nehme mir Zeit für das wertvollste was ich habe: Meine Zeit.  Als wohltuende Silvesterroutine hat sich mein jährlicher Fragebogen an mich selbst eingebürgert. Psychohygiene? Ja vielleicht. Wer denkt, der lenkt.

Hier ein Einblick in mein Silvesterpsychohygieneprogramm

mit echtem Blatt und echtem Schreibstift.

Was ist gut in meinem Leben und soll so bleiben wie es ist?

Wo war ich im letzten Jahr herausgefordert?

Was möchte ich ändern, um mein Leben zu verbessern?

Wie sieht es mit meinen Beziehungen aus? Welche will ich vertiefen und wie könnte das aussehen?

Welche Menschen, Angewohnheiten, Verpflichtungen passen nicht mehr in mein Leben? Was will ich loslassen? (Es ist so befreiend, ab und an nicht nur den Keller, sondern auch den Rest des Lebens auszumisten.)

Welche Wünsche habe ich für das nächste Jahr? Was möchte ich lernen? Erleben? Erreicht haben?

Was wünsche ich mir für meine Beziehung mit Gott?

Ich schreibe die Antworten auf und lese mir ein Jahr später alles erneut durch (vorausgesetzt ich finde den Brief wieder). Dann gibt es immer was zum schmunzeln, wie manche Dinge sich doch so anders entwickelt haben und was Gott wohl damals über meine ach so großartigen Neujahrs-Ideen geschmunzelt haben muss. Und es  gibt immer ein paar Seufzer. Nichterfüllter Wunsch, Enttäuschung, Verletzung, Verlust, Versäumnis . Und es gibt Schulterklopfen: Hey, ja du hast dich herausfordern lassen und bist da durch gegangen, hast Neuland erobert anstatt den Rückzug zu wählen. Ein Blick auf die zurückgelegte Wegstrecke. Und dann, Blick nach vorn.

Für nächstes Jahr wünsche ich mir noch mehr mit dem Bewusstsein zu leben, dass (dieser krasse) Gott gegenwärtig ist und ich mehr Zeit in der Begegnung mit Ihm verbringen will. Ich will mich nicht weichspülen lassen von meinem Alltag und all dem trallala. Dann komm ich ins Wege schlendern und verlier den Blick aufs Ziel.

Als ich letztens eine Predigt anhörte, saß mein 3-jähriger Sohn neben mir, vertieft in seine eigene Lektüre (neuster Playmobil-Katalog). Der Prediger sprach darüber, was es für einen himmelweiten Unterschied macht, ob wir aus eigener Kraft und Eifer etwas angehen, oder ob wir aus Gotte Kraft und in Seinem Timing handeln. Ich zitiere „… denke nicht, du musst ganz alleine die Welt retten.“ Da blickte mein Sohn auf und sah mich an, als hätte jemand grade einen richtig schlechten Witz gemacht und meinte „Hä? Ne das mach ich nicht. Ganz allein mein Zimmer aufräumen, da werd ich müde.“ Haha. So sweet. Die Lebenswelt meines Sohnes ist noch so überschaubar. Zimmer aufräumen, ist gleich Weltretten. Ja… so hab ich das noch nie gesehen. Meine Güte, was ich dem armen Jungen jeden Abend noch zumute. Aber meistens retten wir seine Welt ja zusammen.

Doch im Ernst, da hat er Recht. Alleingang macht müde. Und das will ich für mich neu ergreifen. Immer wieder neu! Leben aus der Gemeinschaft. Mit Gott! Mit Familie! Und guten Freunden!

So lässt sich das wertvollste, das ich habe, auskosten.

Soweit zur Silvesterpsychohygiene zwischen Raclette-Wampe, Feuerzangenbowle und Böller-Tinitus. Und ab morgen, mache ich dann wieder mehr Sport, achte auf gesunde Ernährung, trinke keinen Alkohol und gehe früher ins Bett.

Frohes Neujahr!

2 comments

  1. Sandra Klimm says:

    Hallo Johanna! Musste gleich am Anfang lachen, Recelette Wampe…. ich habe meinen Post zum Jahresanfang mit den Worten „ein paar Gläser Hugo zuviel“ angefangen ;-). Ich liebe diesen Schreibstil. Zum Inhalt. Ja so eine Inventur habe ich auch gemacht. Meine Frage waren etwas kompremierter, hatten aber den gleichen Inhalt. Welche Pflichten bleiben oder kommen dazu (also Kochen putzen einkaufen, Job, der Hund (wenngleich der nicht nur Pflicht ist 😉 )… was auch immer), welche Projekte sind mir wichtig (meine Fortbildung zum Seelsorger, der Blog….) was mache ich für mich persönlich zur „Wellness“ (genug Zeit mit Gott, die Badewanne, Sport….) Welche Beziehungen sind mir wichtig?, in welche Ehrenämter möchte ich mich hineininvestieren…. Danke für den Text und wenn du magst besuch gerne mal mein Sommerzimmer und ließ mein „wunderbares 2017“ Alles Gute und den Segen Gottes für dich, Sandra

  2. luisaseider@yahoo.de says:

    Ja, ab morgen mache ich auch wieder mehr Sport und gehe früher ins Bett 😉
    Danke für deine wertvollen Gedanken!

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