Listen-Mensch

Als mein Mann und ich vor 16 Jahren heirateten, stellte ich – zugegeben ein wenig entsetzt – fest: Er war ein absoluter Listen-Mensch!

Er schrieb To-Do-Listen. Unterlisten von der To-Do-Liste. Sonstige Listen. Wichtige, Unwichtige und Skurrile. Heute lachen wir über so manche seiner Listen.

Jedenfalls legte er mir immer wieder wärmstens ans Herz, auch eine To-Do-Liste zu führen, wenn ich mich darüber beklagte, nicht alles zu schaffen oder Dinge zu vergessen.

Aber mein Leben in Listen anlegen?

Schon bei dem bloßen Gedanken daran fühlte ich mich in meiner Freiheit eingeschränkt!

Nun ja, die Zeit vergeht. Man hat mehr Menschlein zu managen, mehr Aufgaben zu stemmen, gewollte und ungewollte Herausforderungen des Lebens zu meistern, und einen Kopf voller Ideen, die darauf warten, in die Tat umgesetzt zu werden. Und eines Tages war es dann soweit: Ich habe meine erste To-Do-Liste geschrieben! 

 

Naja, und was soll ich sagen: Seitdem liiiiebe ich To-Do-Listen! Inzwischen hat mein Mann – meines Wissens nach – nur noch eine Liste. Ich hingegen habe eine extra angefertigte To-Do-Liste für Weihnachten, Kindergeburtstage, Erwachsenengeburtstage und sonstige Feiern, Urlaubsplanung, Wochenziele, Essensplanung, Hausarbeiten, sonstige Projekte und natürlich die ganz normale To-Do-Liste.

Und wisst ihr was? Es macht Spaß! Es macht unglaublich Spaß, To-Do-Listen zu schreiben. Besonders wenn sie noch schön gestaltet sind. Es macht sogar soviel Spaß, dass ich vor lauter Listen-Schreiben manchmal gar nicht mehr dazu komme, sie abzuarbeiten…

Aber dann kann ich ja einfach eine neue To-Do-Liste schreiben 🙂

Und so blicke nun auch ich schon auf einige wenige Jahre To-Do-Listen-Erfahrung zurück. Meine (weisen) Einsichten möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten 😉 

(Wer sie nicht alle lesen will, dem empfehle ich wenigstens Punkt 2.2 🙂 )

1. To-Do-Listen sind hilfreich und wertvoll!

Sie helfen, die Zeit besser zu tackten, Dinge tatkräftig in Angriff zu nehmen, das Leben aktiv zu gestalten statt im Alltags-Sumpf vor sich hinzudümpeln.

2. Unterscheide Dringendes und Wichtiges!

Als unser Sohn vor drei Jahren auf die Welt kam, war die „Große“ 21 Monate alt und der Kleine hat sehr viel geschrien. Ich hatte enormen Schlafmangel und so schlimme Rückenschmerzen, dass ich morgens kaum aus dem Bett aufstehen konnte (und eigentlich auch nicht wollte), und unsere äußere Lebenssituation war umzugsbedingt und bedingt durch andere Faktoren alles andere als geordnet (vorsichtig ausgedrückt). Der „Mount-Everest“ an „To-Do’s“ war unermesslich groß und meine Kraft aufgebraucht. In dieser Zeit stand auf Platz 1 und 2 meiner To-Do-Liste: „Mit der Großen Bücher lesen“ und „Mit dem Kleinen kuscheln“. Warum habe ich so selbstverständliche Dinge auf meine Liste geschrieben? Aus einem ganz einfachen Grund: Am Abend habe ich diese Punkte abgehakt in dem Wissen: Und selbst, wenn ich nichts anderes abgearbeitet habe, das Wichtigste habe ich heute geschafft!

2.1 Ist das Dringende wirklich so dringend wie es scheint?

Ich gestehe: Vor dem letzten Weihnachtsfest habe ich unseren Boden nicht gewischt. Die Krümel wurden weggesaugt. Stellen, an denen man hätte festkleben können, sind mir nicht aufgefallen. Also habe ich auf das Nass-Wischen verzichtet.

Es ist mir wirklich nicht leicht gefallen, aber ich habe diese Entscheidung nicht bereut!

Denn wisst ihr was? Weder der Familienclan, der an Heiligabend noch der andere, der am 1. Feiertag anrückte, hat etwas davon bemerkt; selbst, nachdem ich ausdrücklich darauf hingewiesen habe.

Und außerdem: Nach zwei Feiern war der Boden eindeutig reif für eine ordentlich Reinigung, nachdem Getränke verschüttet wurden und Essensreste „festgetreten“.

Was war ich froh, dass ich aus meiner Erfahrung gelernt hatte: Da wir regelmäßig viele Leute im Haus haben, wusste ich, dass spätesten der 5. Besucher nichts mehr von einem sauberen Boden sieht… (und ob der 1. Besucher diesen überhaupt jemals bemerkt hat, ist ebenfalls fraglich).

2.2 Verbinde Wichtiges und Dringendes!

Irgendwie denke ich ganz oft unbewusst, dass ich die dringenden Dinge erledigen muss bevor ich Zeit für die Wichtigen habe. Aber das stimmt nicht! Manchmal kann man beides ganz gut kombinieren, z.B. den Kuchen für die Gäste zusammen mit den Kindern backen.

Und manchmal macht es sogar richtig Sinn, die wichtigen VOR die dringenden Dinge zu stellen.

Ein paar Beispiele aus unserem Familienalltag:

– Statt „Fenster putzen“ steht auf meiner To-Do-Liste inzwischen „Fenster mit Fingerfarbe
bemalen“. Ich bin ehrlich kein Freund von Fingerfarbe, aber meine Kinder lieben sie. Wenn nun mal wieder Fenster putzen angesagt ist, und mir die Motivation dafür fehlt, lasse ich meine Kinder ein-zwei Fenster mit Fingerfarbe anmalen. Da wir oft andere Kinder im Haus haben, lieben sie es genauso, unsere Fenster zu beschmieren. Dann lassen wir das Kunstwerk aus der Kategorie „moderne Kunst“ etwa zwei Tage an der „Leinwand“ bevor es vom Putzlappen vernichtet wird. Und der Mehraufwand an Arbeit lohnt sich wenigstens. Eigentlich möchte ich daraus auch mal eine Familienaktion machen. Denn sind wir mal ehrlich: Wer von uns „ordentlichen“ Mamas hat nicht mal richtig Lust drauf, Fenster einzusauen, hm? 😉 (Meine Empfehlung: Aber nicht zu viele, denn bei allem Spaß sollte man die Mehrarbeit nicht ganz außer Acht lassen 😉 Tipp: Ganz hartnäckige Stellen mit einem Ceran-Kochfeld-Schaber entfernen)

– Ein paar Tage vor dem neuen Anstrich im Kinderzimmer habe ich mit den Kindern eine Wand ebenfalls in eine riesige Leinwand verwandelt. (Hier bitte keine Fingerfarbe verwenden, wenn ihr keine Ehekrise riskieren wollt!!!!)

– Bevor das Kinderzimmer wieder mal gründlich aufgeräumt werden muss, laden wir Übernachtungsbesuch ein und die Kids machen eine Pyjama-Party. Das ist bei uns die einzige Ausnahme, bei der sie im Zimmer Knabbereien essen und Wasser trinken dürfen, während sie einen Film anschauen. Hinterher lohnt sich das Aufräumen wenigstens. Und: man kann es auch nicht mehr hinausschieben 😉

– Bei Regenwetter alle zusammen mit Gummistiefeln raus in die Pfützen! Am besten, wenn der Eingangsbereich mal wieder geputzt werden sollte.

Habt ihr noch weitere Ideen? Schreibt sie gerne in die Kommentare!

3. Genieße das Erledigte!

Ab und zu gibt es tatsächlich solche Tage, an denen man Vieles oder sogar alles abgearbeitet hat, manchmal noch mehr als man sich vorgenommen hat. Man spürt Kraft, Tatendrang, Motivation und Lebenslust. Genieße diesen kurzen Moment und belohne dich!

4. Nicht verzweifeln!

Naja, und dann gibt es die Tage, an denen der To-Do-Berg einen schon erschlägt bevor man ihn „besteigt“. Oder diese kleinen, mysteriösen, undefinierten Wesen namens „Hormone“ spielen verrückt und legen einen lahm. (Auch wenn ich kein Freund von „hormonellen Ausreden“ bin, so denke ich doch, dass da manchmal was dran ist …). Am besten, die Haustür hinter sich zuschlagen und raus in die Natur!

5. Entspannt bleiben!

Es gibt einfach die guten und die weniger guten Tage. Die Produktiven und weniger Produktiven. Und irgendwie gleicht sich alles auch wieder aus. Das lässt mich entspannter werden.

Manche „To-Do’s“ kann man getrost streichen. Vielleicht haben sie in meinem Leben einfach keinen Platz oder noch nicht ihre Zeit.

So hilfreich To-Do-Listen auch sein mögen, manchmal brauche ich Hilfe im Umgang mit ihnen, damit mich Unzufriedenheit über Unerledigtes, Liegengebliebenes nicht in den Griff bekommt. Und mir hilft hier tatsächlich, das große Ganze zu sehen.

„Freut euch darüber, dass eure Namen bei Gott aufgeschrieben sind!“, sagt Jesus in Lukas 10, 20.

 

„Ich habe dich unauslöschlich in meine Hände eingezeichnet!“        (Jesaja 49, 16a)

Selbst Gott hat offenbar ein Liste. Eine in seine Hand eingravierte, „eintätowierte“ Liste. Alle meine anderen Listen verblassen, solange ich nur hier gelistet bin.

Ich bin ein Listen-Mensch. Halleluja!

4 comments

  1. familienlebenmitgott says:

    Einen Film-Abend (Chips, Popcorn…) vor dem Putztag (bei uns Samstag) einplanen… Haare schneiden/rasieren (ich hasse es, spart aber bares Geld) bevor ich das Bad wische… Ich bin auch ein Listenmensch und stimme dir absolut zu. Mein Mann dagegen hat ist jemand, der die Einkaufsliste lieber auswendig lernt als sie mitzunehmen :-). Wenn er was vergisst, sage ich natürlich: „Hättest du die Liste…“ Aber auch wir nähern uns an. Danke für den Artikel und die Bibelverse, das hat mich heute total angesprochen <3 Liebe Grüße, Martha

    • luisaseider says:

      „Liste lieber auswendig lernen“ kenne ich aus meiner „vor-Listen-Zeit“ auch 😉
      Aber es hält den Kopf unnötig beschäftigt …
      Freut mich, dass dich der Artikel angesprochen hat 🙂
      lg

  2. 7geisslein says:

    Liebe Luisa, auch ich sage zu allen Punkten ja und ja und ja. Ich habe ganze Notitzbücher voll mit Listen und es ist fast so etwas wie Tagebuch lesen. Jetzt noch eine Frage: wie kommt frau denn an diese ganz ausgesprochen ansprechenden Listen? Oder entwirfst du die selber? Als Listenjunkie würde ich mich über einen Tip freuen. Liebe Grüße Sandra

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