Ich sag’s laut

Du stehst abends nach vollbrachtem Tagewerk am Bett deines schlafenden Kindes…

Wie süß die Kleinen sind, wenn sie schlafen.

Eine Welle an Schwer- und Süßmut überkommt dich, starkes Band, Mutterherz, Glück und Dankbarkeit. Dein Kind verschläft selig, das mütterliche Feuerwerk der Emotionen. Wie wär’s wenn du deinem Kind beim Frühstück davon erzählst? Lass deine Gefühle verlauten, als Brücke zum Herzen deines Kindes. Sag’s laut.

Du beobachtest dein Kind, wie es einen hohen Turm baut und staunst, dass das Konstrukt so lange standhaft bleibt, trotz aller ruckartigen Bewegungen und architektonischen Fehlgriffe. Aus dem kleinen notorischen Türmezerstörer ist ein Aufbauer und Gestalter geworden. Wie wär’s wenn du deine Gedanken laut werden lässt? “ Wow, ich staune wie gut du Türme bauen kannst. Der ist wirklich sehr hoch.“ Lass deine Gefühle verlauten, als Brücke zum Herzen deines Kindes. Sag’s laut.

Hand in Hand laufen sie davon. Du stehst da und schaust deinem Kind hinterher, wie es mit seinem Freund den Weg alleine läuft und denkst stolpernd staunend, wie groß es doch geworden ist . Wie wär’s wenn du ihm später sagst: „Als ich euch hab laufen sehen, hab ich mich gewundert, wie groß und mutig du bist und dass du schon viel alleine machen kannst.“  Lass deine Gefühle verlauten, als Brücke zum Herzen deines Kindes. Sag’s laut.

Das hat sie ja noch nie gemalt, denkst du, als dein Kind dir strahlend ein Bild in die Hand drückt. Nimm dir Zeit, schau dir das Gemälde genau an, frage nach. Wie wär’s wenn du dann laut sagst: „Ich staune. Hast du das selbst gemalt? Das sieht wirklich toll aus! Woher hast du diese vielen kreativen Ideen, nur?Lass deine Gefühle verlauten, als Brücke zum Herzen deines Kindes. Sag’s laut.

Es ist wieder Abend geworden. Tagewerk vollbracht. Du sitzt am Bett deines Kindes, streichelst seinen Rücken, beantwortest letzte philosophische Fragen über das Weltgeschehen und dann segnest du es laut. Segnen bedeutet u.a. „gut reden“.

Wenn ich meine Kinder segne, dann spreche ich Gutes über ihrem Leben aus und halte ihr kleines Leben vor Gott hin. Im tiefen Vertrauen, dass Gott mein Kind noch liebevoller anschaut als ich, erbete ich seine Fürsorge. „Gott hat dich so wunderbar gemacht. Du bist einzigartig erstaunlich toll. Ich mag es wie du spielst, wie du lachst und singst. Gott freut sich auch sehr über dich. Er ist immer bei dir und der beste treuste Freund, den man sich wünschen kann. Mein Gott, bitte lass mein Kind gut schlafen in dieser Nacht. Wir haben dich lieb. Amen.“

Gedanken. Gefühle. Mama-Herz.

Wortbrücke. Kinderherz.

Was wird ankommen, wenn du deine Emotionen über verbale Brücken schickst?

Geborgenheit. Das Gefühl wahrgenommen und geliebt zu sein. Anerkennung. Ermutigung.

Vielleicht gehörst du zu den Mamas, denen all das selbstverständlich erscheint und die alle Gefühle auf der Zunge tragen. Dann bist du wahrscheinlich schon nach meinem ersten Beispiel abgesprungen. Wenn du aber bis hierher gelesen hast, dann begleitet dich vielleicht der Gedanke „Das sollte ich öfter tun.“ So geht es mir.

Ein liebevolles Gefühl braucht seine Ausdrucksform. Ja, Zärtlichkeit ist wohl die Königsdisziplin der Ausdrucksformen und dazu noch die passenden Worte, macht es für mich rund.

Benennen wir das Gute, oder das was Gut werden soll.

Sagen wir’s laut.

 

Alles Liebe

eure Johanna

5 comments

  1. 5heringe says:

    Das hast Du sehr schön geschrieben. Achtsam sein und das dann mit Wertschätzung ausdrücken- find ich super! Mir gefällt auch, wie schön Du das sprachlich beschrieben hast. Danke!!

  2. Antschana says:

    Ach Johanna, meine Gefühle trage ich schon öfter auf der Zunge, aber leider eher die negativen… 🙁 Das ist eine so wunderschöne Erinnerung, das wieder zu ändern!! DAnke 🙂
    Ach ja, bei Freundinnen hab ich mir das schon angewöhnt: Komplimente machen, das SChöne und Gute, was mir auffällt auch auszusprechen!! Das hat ne Freundin mir so vorgemacht und ich hab gemerkt, wie wundervoll gut das tut! Gute Worte <3

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